Positionen der niedergelassenen, nordrheinischen Fachärzteschaft Februar 2009

Angesichts der grotesken Unterfinanzierung der ambulanten Medizin im System der Gesetzlichen Krankenversicherung unseres Landes können wir freien, niedergelassenen Fachärztinnen und Fachärzte Nordrheins nicht mehr länger schweigen.

Unterfinanzierung bedeutet Mangelversorgung!

30,88 € für eine chirurgische, 26,05 € für eine urologische, 30,11 € für eine orthopädische, 30,62€ für eine HNO-ärztliche, 21,42 € für eine augenärztliche, oder 15,96 € für eine gynäkologische fachärztliche Versorgung eines kranken Menschen pro Quartal sind eine Demütigung und eine Unverschämtheit einer außer demokratischer Kontrolle geratenen Ministerialbürokratie gegenüber den, durch die Sozialgesetzgebung entmündigten, Bürgerinnen und Bürger unseres Landes.

Offenbarungseid einer zentralistischen Lenkungspolitik!

Planwirtschaft hat ausgedient in einer hochspezialisierten, auf den einzelnen Menschen individuell abgestimmten Medizin. Man kann nicht einerseits von Markt und Wettbewerb reden und auf der anderen Seite von Berlin aus bestimmen, wieviel Medizin für einen Patienten ausreichend ist. Die medizinische Versorgung unserer Patienten wird durch eine ideologisch verblendete, geschehensferne und fachfremde Politik massivst gefährdet und gestört.

Planwirtschaft gefährdet Menschenleben!

Es ist mit unserem Berufsethos nicht mehr vereinbar, den Vorgaben einer Politik Folge zu leisten, die bewirkt, dass eines der weltbesten, effektivsten und kostengünstigsten medizinischen Versorgungssysteme – unsere ambulante Medizin - von verantwortungslosen Politikern zugrunde gerichtet, an profithungrige Kapitalgesellschaften verscherbelt und zur kommerziellen Ausplünderung freigegeben wird.

Wir wehren uns!


Wir wehren uns als Anwälte unserer Patienten gegen eine Ideologie, die den hilfesuchenden Menschen zum Renditeobjekt einer lückenlosen Wertschöpfungskette macht und ihn den Kräften des Marktes schutzlos ausliefert.

Wir wehren uns gegen die Vernichtung eines Kulturgutes, um das uns die Welt beneidet - den flächendeckenden, wohnortnahen Zugang eines jeden Bürgers zu einer hochqualitativen ambulanten Medizin - die getragen wird durch uns freie, weisungsungebundene Fachärztinnen und Fachärzte.

Wir wehren uns gegen die Veruntreuung von Versichertengeldern. Wir wehren uns gegen die kontinuierliche Abwertung unserer Leistungen. Wir wehren uns gegen die von Drittinteressen geleiteten poliklinikähnlichen „Gesundheitszentren“ nach DDR-Manier.

Wir wehren uns gegen die geplante Abschaffung der freien Arztwahl, die heimtückische Zerstörung des Arzt/Patienten-Vertrauensverhältnisses und die schleichende Aufhebung des Arztgeheimnisses.

Die sogenannte „Gesundheitspolitik“ ist krank!


Die sogenannte „Gesundheitspolitik“ ist krank. Die sogenannte „Gesundheitspolitik“ macht krank. Sie entsolidarisiert unsere Gesellschaft, lässt die wirklich Hilfebedürftigen und chronisch Kranken immer mehr im Regen stehen und führt zu amerikanischen Verhältnissen, von denen lediglich gewisse Kreise in der Politik, der Wirtschaft und den Krankenkassen profitieren werden.

Finger weg von den Patientendaten!

Wir brauchen keine „Case-Manager“, „Care-Manager“, „Call-Center“, „Krankheits-Verwaltungsprogramme“, „Morbiditäts-Risikostrukturausgleiche“ und 220 Krankenkassen. Wir wollen auch keine Datenschnüffelei in unseren Arztpraxen durch elektronische „Gesundheitskarten“ mit Patienten- und Behandlungsdaten auf Zentralservern mit hunderttausend Zugriffsberechtigungen.

Zurück zur Urbeziehung Arzt/Patient!

Das einzige, was wir brauchen, ist eine klare Beziehung Arzt/Patient. Alles andere ist Beiwerk, sind nach geordnete Instanzen und Institutionen, auf die wir verzichten können, ohne dass darunter die medizinische Versorgung leiden würde.

Kostenerstattung. Und der ganze Spuk hat ein Ende!

Die Ärzteschaft fordert seit Jahren den grundlegenden Umbau unseres undurchschaubar gewordenen und bankrotten Gesundheitswesens in ein schlankes, transparentes und solidarisches Kostenerstattungssystem, wie es zum Beispiel in Frankreich seit Jahrzehnten erfolgreich praktiziert wird, beziehungsweise eine solidarisch abgesicherte allgemeine Versicherungspflicht. Die Zeit ist gekommen, dies gegen alle Widerstände der Politik und mächtiger Interessengruppen zum Wohle aller unserer Bürger durchzusetzen.

Grundlegender Umbau unseres Gesundheitswesens!

Wir appellieren an alle freiheitlich-demokratischen Kräfte unseres Landes, seien es selbständige, verantwortungsvolle Politiker, der Wahrheit dienende Medienvertreter oder die aufgewachten Bürgerinnen und Bürger dieses Landes selbst, samt ihrer Verbände, uns in diesem Kampf zu unterstützen. 2009 ist Wahljahr! Wir rufen alle Betroffenen auf mitzuhelfen, dass die Versichertengelder wieder den Versicherten und ihrer medizinischen Versorgung zur Verfügung gestellt werden, damit die absurde Unterfinanzierung der ambulanten Medizin beendet wird. Weg mit dem Milliarden-verschlingenden Bürokratieapparat! Freie Medizin für freie Bürger! Unterstützen Sie uns in unseren Forderungen!

Die Gemeinschaft der Fachärzte Nordrheins






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